Es kommt nur darauf an, in seinen eigenen Rhythmus zu fallen.

 

«Im Tanz wachen wir auf, wir spüren plötzlich unsere pralle Lebendigkeit, wir haben Spass und vergessen den ganzen Scheiss, den wir sonst so mit uns rumschleppen. Beim Tanzen kommt das Wahre zum Vorschein, wir befreien uns und stehen uns nicht länger im Weg. In der Bewegung trittst du dir selber in den Hintern: Wenn du dich deinem Rhythmus wirklich ganz hingibst, dann siehst du genauso cool, geheimnisvoll und verführerisch aus, wie du eigentlich am liebsten aussehen würdest, aber nicht glaubst, dass du es je könntest.»

Manche Leute fallen ganz einfach in einen fliessenden Groove, in einen entspannten, leichten Schwung. Sie halten dieses Flowing aufrecht, unabhängig davon, was rundherum um sie geschieht. Andere sind mehr staccato, sie bewegen sich in beschleunigtem Schritt. Das sind Leute, die Fünfjahresplänen folgen und um acht Uhr früh Termine machen. Andere gedeihen am besten im Rhythmus des Chaos – wenn sie eine Idee in die Tat umsetzten, ist sie ihnen bestimmt gerade erst in den Sinn gekommen. Und dann ist es auch schon wieder Zeit für die nächste. Hier trifft man produktive und kreative Genies, Leute, die in vielen Töpfen rühren. Im Gegensatz dazu scheinen Menschen, die ihr Leben im Lyrical-Modus leben, eher aus einer anderen Welt zu kommen, doch sie befinden sich auch mit dieser Welt in grösster Übereinstimmung. Und dann gibt es noch jene seltenen Vögel, von denen aus selbst bei Höchstgeschwindigkeit noch eine eigenartige Ruhe ausgeht. Die sind wie ein Buddha, der auf dem Skateboard vorbeisaust. Solche Typen machen selten Schlagzeilen, aber ihre Energie kann Jahrhunderte überdauern.

… und da war doch noch was?

Wenn du in die Schattenseite deines Rhythmus fällst, verführt dich das Ego dazu, dass du vom Weg deiner Bestimmung abkommst. Das Ego findet seine Bestimmung ausschliesslich in der Sackgasse. Sabotage ist seine Vorgehensweise.

Die Flowing-Leute verfangen sich in ihrer Trägheit. Die Staccato-Typen werden starr und rigide. Die Chaos-Diven lösen sind in Verwirrung auf. Lyrical-Seelen verlieren jeden Bezug zur Realität. Und die lieben stillen Wasser können, obschon sie tief sind, auch zufrieren und empfindungslos werden.

Bist du jedoch mit deinem Rhythmus in Harmonie, dann bewegst du dich ohne Anstrengung durchs Leben. Das soll nicht heissen, dass bei dir nie etwas schief geht, aber du kommst besser damit zurecht, kippst nicht gleich aus den Latschen und lässt dich deswegen nicht aus deinem Rhythmus bringen.

— Auszüge aus «Chaos der Stille» von Gabrielle Roth.

 

«Wenn du glaubst, du hast dich verirrt, bist du da!»

— Gabrielle Roth.